Kunst & Kultur

Ecuador ist eine multiethnische und multikulturelle Nation. Die Bevölkerung verteilt sich auf völlig unterschiedliche Lebensräume, die Küste, die Anden und das Amazonasgebiet.

Es ist diese ethnische und regionale Vielfalt von Ecuador, welche ihre Bewohner und deren Kultur und damit auch ihre Kunst beeinflusst und so eine einzigartige Stilmischung hervorgebracht hat.

Das meiste Kunsthandwerk in Ecuador ist volkstümlich und die Techniken, Motive und Stile wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Heute machen viele der Einheimischen keinen Unterschied zwischen Handwerk und Handwerkskunst, so dass Kunst heute oft nicht nur schön ist sondern auch einen praktischen Nutzen hat. Viele Kunsthandwerker verkaufen ihre eigenen Waren auf den Märkten und wenn Sie dem hiesigen Brauch folgend etwas handeln, können Sie sicherlich ein einzigartiges Souvenir Ihrer Reise zu einem fairen Preis finden.

Skulptur Guayasamin

Malerei & Skulpturen

Ecuador hat vor allem drei über die Landesgrenzen hinaus bekannte Künstler hervorgebracht:

Die Malerei des Eduardo Kingman Riofrío

Eduardo Kingman Riofrío (1913 – 1997) war ein ecuadorianischer Maler. Seine Werke wurde unter anderem in:

  • Bogotá,
  • Caracas,
  • Mexiko-Stadt,
  • San Francisco,
  • Paris,
  • in Washington und
  • am Sitz der Vereinten Nationen in New York ausgestellt.

Er gewann zahlreiche Preise bei Salons und erhielt diverse Ehrungen. Ein übergreifendes Thema der Gemälde, Lithografien und Holzarbeiten Kingmans ist das von Mühsal geprägte Leben der indigenen Bevölkerung Ecuadors. Besonders die Hände und Gesichter der von Kingman dargestellten Menschen zeigen ausdrucksvoll Härte und Armut der Lebensumstände. Mit dieser Abwendung von bürgerlichen Themen in der Malerei war er Vorreiter einer Generation, der später auch Maler wie Oswaldo Guayasamín angehörten.

Gemälde Guayasamin

Die Malerei und Bildhauerei des Oswaldo Guayasamín

Oswaldo Guayasamín (1919 – 1999) war Maler, Bildhauer und ist der wichtigste, bildende Künstler Ecuadors des 20. Jahrhunderts.

Guayasamíns Malerei lässt sich in drei Zyklen einteilen, die jeweils bestimmte thematische Schwerpunkte umfassen. Diese Zyklen sind mit jeweils über 150 Bildern in der oben beschriebenen Capilla des Hombre ausgestellt:

  • von 1946 bis 1952: Huacayñán (Der Weg der Tränen)
  • von 1960 bis 1992: La Edad de la Ira (Das Zeitalter des Zorns)
  • von 1988 bis 1999: Mientras vivo siempre te recuerdo (Solange ich lebe, erinnere ich mich an dich), auch La Edad de la Ternura (Das Zeitalter der Zärtlichkeit)

Der erste Zyklus, entstanden nach seiner Reise durch Südamerika, zeigt besonders das Leid der indigenen Bevölkerung.

Ein häufiges Motiv des zweiten Zyklus ist eine Frau, die schützend vor ihr Gesicht oder über ihr Kind, die Hände erhebt.

Außer den Bildern, die den drei Zyklen zuzuordnen sind, malte er auch immer wieder Blumen und Landschaften Ecuadors, die sowohl von der Schönheit als auch von der Bedrohung des Landes künden.

Neben seinen Malereien widmete er sich auch der Bildenden Kunst, insbesondere Wandgemälden in öffentlichen Gebäuden. Die von Guayasamin geschaffene Capilla del Hombre (Kapelle des Menschen) ist ein umfassendes Museum, in dem neben Guayasamíns Werk auch ein künstlerisch gestalteter Überblick über ein Jahrtausend lateinamerikanischer Geschichte und kulturellen Erbes zu sehen ist.

Die Malerei und Bildhauerei des Gonzalo Endara Crow

Gonzalo Endara Crow (1936 bis 1996) war ein ecuadorianischer Maler und Bildhauer, der schon früh in seiner Karriere einen völlig eigenen Stil annahm.

  • Der „magische Realismus“

Die ecuadorianische Geographie und hellen Farben die von indigenen Künstlern bei ihrer Arbeit verwendet wurden, waren die beiden wichtigsten Einflüsse die sich durch alle Werke seiner Karriere zogen.

Endara Crow gilt als einer der wichtigsten, lateinamerikanischen Maler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeit ist universell, und bietet eine ästhetische Perspektive der Anden-Kultur und seiner Menschen.

Sein bekanntestes Werk ist El Tren Volador (Der fliegende Zug). Andere surreale Motive die sich häufig in seinen Gemälden finden sind Regen, Glocken oder Kugeln.

Endara war auch Bildhauer welcher zwei wichtige Denkmäler in Sangolqui schuff. Diese beiden Denkmäler:

  • El Choclo (Der Mais)
  • El Colibrí (Der Kolibri)

Beide Skulpturen stellen die natürliche Schönheit und Bedeutung der Landwirtschaft in der ecuadorianischen Sierra dar.

Tor von Ingapirca

Architektur

Die Architektur von Ecuador ist bunt gemischt, wie seine lebhafte Geschichte.

Das älteste, in Ruinen erhaltene Bauwerk des Landes ist die Kultstätte Ingapirca (Quichua; Mauer der Inka) etwa 50 km nördlich von Azogues in der Provinz Cañar. Zwei Stunden von Cuenca entfernt.

Es handelt sich hierbei um eine Kultstätte der Cañari, die später auch von den Inka genutzt und ausgebaut wurde. Die Bauweise des fugenlosen Zusammenfügens großer behauener Steinblöcke ähnelt den in Cuzco erhaltenen Inkaruinen.

Nach gängiger Deutung umfasst der Komplex:

  • einen Sonnentempel
  • ein Observatorium zur Beobachtung der Gestirne
  • Lagerräume
  • rituelle Bäder
  • Grabstätten
  • Straßen und Plätze.
Tor in der kolonialen Altstadt von Quito

Koloniale Architektur

Die kolonialen Zentren von Quito und Cuenca bieten einen guten Einblick in die koloniale Architektur. Auf einer Fläche von rund 375 Hektar bietet die Altstadt von Quito koloniale Straßenzüge und 130 Monumentalbauten.

Einige davon wurden im Barockstil errichtet; die besten Beispiele für diesen Stil sind die Kirchen:

  • El Sagrario
  • La Compania
  • San Augustin
  • San Francisco
  • Santo Domingo

Basílica del Voto Nacional

Mit der Zeit begann sich auch der Stil in der Architektur zu ändern. Das beeindruckendste Beispiel für den neugotischen Stil ist die Basilika (Basílica del Voto Nacional) die mit 115m Höhe das höchste Gebäude von Quito ist.

Im modernen Teil der Stadt finden sich viele Häuser aus Zement und Stahlbeton, zunächst zwei bis drei Stockwerke hoch, wurden die Gebäude dann immer höher und moderner.

Während der 16 Stockwerke hohe Glasturm Torre Urban Plaza als das modernste Gebäude der Stadt gilt.

Ist der Torre CFN das höchste moderne Gebäude der Stadt mit 23 Stockwerken und 86 m Höhe.

Hütten im Regenwald

Regionale Architektur

Neben den unterschiedlichen Stilen im Laufe der Zeit, gibt es auch regionale Stile:

  • an der Küste werden in manchen Gegenden (außerhalb der großen Städte) heute noch leichte, luftige Häuser aus Schilf und Bambus bevorzugt
  • im Regenwald Hütten aus dem Holz der einheimischen Bäume
  • in den Anden werden auf dem Land immer noch Häuser aus Adobe gebaut.

In den Anden finden sich noch heute einige der prächtigen Haciendas aus der Kolonialzeit:

  • La Cienega
  • Pinsaqui
  • Cusin

Literatur

Die Ecuadorianische Literatur ist im Wesentlichen sehr traditionell und bezieht sich in der Regel nur auf das nationale Geschehen, mit Geschichten, die einen Einblick in das Leben des einfachen Bürgers innerhalb der turbulenten Geschichte des Landes bieten.

Jorge Icaza

Trotz der Härte des Inhaltes sind die Romane von Jorge Icaza, ein Porträt des schrecklichen Schicksals der indigenen Bevölkerung in der ecuadorianischen Sierra (Hochland). Icaza versetzt den Leser dabei in das tagtägliche Geschehen und verwendet die gleiche Sprache, welche die Protagonisten im wirklichen Leben sprachen.

Alfredo Pareja Díez Canseco

Ein wichtiger Autor ist Alfredo Pareja Díez Canseco. Díez schrieb in seinen Romanen vor allem  über das Leben in der Stadt und die sozialen Ungerechtigkeiten denen die Stadtbevölkerung ausgesetzt war.

Demetrio Aguilera Malta

Demetrio Aguilera Malta war ein Romanschriftsteller der in seinen Schriften vor allem die Montubios, die typischen Mestizen und Bauern im Hinterland der ecuadorianischen Küste beschrieben hat. Alicia Yanez Cossio, eine der weiblichen Schriftsteller, hat eine ganze Reihe von Erzählingen veröffentlicht, darunter Sé que vienen a matarme (Ich weiß Sie kommen um mich zu töten), ein umstrittener Roman über den Diktator Gabriel García Moreno und seine Exzesse während seiner Zeit als Präsident von Ecuador.

Ecuador hat bisher keine Schriftsteller hervorgebracht, die ihre Bücher weltweit verkaufen.

Einige ecuadorianischen Autoren haben es zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gebracht, und werden über die Landesgrenzen hinaus in den spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas und in Spanien gelesen.

Traditionelle Tänze werden wieder beliebter

Musik & Tanz

Die Volksmusik ist vielfältig und schließt ein:

  • die bekannten Yumbo und Sanjuanito aus dem Hochland, die rhythmischen, sich wiederholenden musikalischen Stilformen, die vor allem zum Tanzen auf Volksfesten gespielt werden,
  • langsamen, traurigen Pasillos aus dem Flachland,
  • sowie die lokalen afrikanischen und
  • indianischen Traditionen (Amazonas, Hochland und Küste).

Salsa, Cumbia und Merengue

Ein wiederbelebtes Interesses an der Folksmusik unter der städtischen Bevölkerung hat zur Gründung vieler neuer Folkloretanzgruppen geführt. Moderne Musik wird in Ecuador stark von der kolumbianischen Cumbia und dem karibischen Salsa beeinflusst und von ecuadorianischen Gruppen mit lokalen Themen gemischt. Die Jugend ist Musik gegenüber sehr aufgeschlossen und tanzt zu Merengue genauso wie zu moderner Popmusik, was auf Festen manchmal zu erstaunlichen Mischungen aus traditioneller und moderner Musik führt.

Panamahut Flechterin in Cuenca

Kunsthandwerk

Ecuador hat eine reiche Tradition der Volkskunst.

Quito war ein koloniales Zentrum der Holzschnitzerei und der Malerei, deren Meisterwerke der Quito-Schule Kunsthandwerker heute noch reproduzieren. Einige Mestizen und indigene Gemeinschaften haben sich auf Kunsthandwerk spezialisiert wie:

  • Taschen aus Agaven-Fasern in dem Gebiet um Riobamba und Salcedo
  • Holzschnitzerei in Ibarra
  • Lederarbeiten in Cotacachi
  • Wollteppiche in Otavalo und Salasaca
  • Teppiche bei Guano 
  • Panama-Hüte in Monte Cristi und in der Nähe von Cuenca.

Die Volksgruppe der Quichua aus Tigua, einer Region in der zentralen Sierra (Anden) von Ecuador, sind weltweit bekannt für ihre traditionellen Malereien auf Leinwänden aus Schaffell. In der Vergangenheit haben die Menschen aus Tigua ihre Malerei vor allem zur Herstellung von dekorativen Masken und Trommeln benutzt. Die Malerei auf ebenen Flächen hat sich erst in der neueren Zeit entwickelt. Heute können Tigua Gemälde in ganz Ecuador gefunden werden. Tigua Künstler werden für ihre Verwendung lebendiger Farben und traditioneller Themen gefeiert. Die meisten Bilder zeigen Szenen aus:

  • dem Hirtenleben
  • religiöse Zeremonien
  • Feste.

Der Vulkan Cotopaxi wird häufig in die Landschaft vieler Bilder integriert, da der Cotopaxi in dieser Region von besonderer, kultureller Bedeutung ist.

Viele Beispiele des Kunsthandwerks aus den verschiedenen Regionen kann man auf dem Kunsthandwerksmarkt in Quito und vor allem auf dem riesigen, traditionellen Markt von Otavalo bestaunen, und nach ausgiebigem Handeln erwerben.

UNESCO Welterbestätten

Ecuador besitzt vier von der UNESCO anerkannte Weltkultur- sowie Weltnaturerbestätten.

Zum Weltkulturerbe zählen:

Zum Weltnaturerbe gehören: